Von den meisten erloschenen Reychen weiß man, dass sie 1937 schlossen. Von der Molhusia weiß man, wie es zuging.
Der Beschluss
1937 fiel auf einem außerordentlichen Konzil zu Leipzig der gesamtdeutsche Beschluss, die Burgespforten zuzusperren. Es war keine freiwillige Entscheidung; sie wurde unter dem Druck des Regimes gefasst, und sie galt für alle Reyche im Deutschen Reich. Die Formulierung, die in den Akten steht, lautet dennoch „freiwillige Auflösung“ — so wollte es die andere Seite.
Die Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1937
In Mühlhausen wurde die letzte Sippung in der Nacht vom 27. auf den 28. Hornung gehalten. Überliefert ist, dass „an die zwanzig“ Recken zusammenkamen und bis halb drei Uhr morgens blieben — und warum: Die Burgpforte musste „auf Beschluss der braunen Schergen“ ab Mitternacht des 28. Hornung geschlossen werden. Man hat also die letzten Stunden ausgenutzt, die einem blieben.
Am selben Tag, dem 28. Februar 1937, reichten sich vierzig Kilometer weiter in Eisenach vierunddreißig Sassen der Ysenaha zum letzten Mal die Hände. Es war überall derselbe Tag.
Was übrig ist
Erhalten hat sich ein Attestat des Bundesführers Pfifficus aus der Lipsia für Ritter Alruno — ein Papier, das bescheinigt, was nicht mehr sein durfte. Die Stammrollen und Sippungskalender der Jahrungen 1926/27 und 1928/29 liegen heute im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin, im Bestand „Schlaraffia (Dep.)“.
Und das Sippen hörte nicht auf. Es wurde nur unsichtbar. Zehn Jahre später feierten Molhusia und Ysenaha wieder gemeinsam das Uhubaumfest, und 1950 saßen die Thüringer Reyche in Weimar zur „Kombinierten Auferstehungssippung“ beisammen.
Belege: Der Schlaraffia Zeyttungen, Ausgabe 158-10 (Mai 2017), S. 23 f.; Findbuch des Bestandes Schlaraffia im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz; Chronik des erloschenen Reyches Ysenaha (243). Die Uhrzeit und die Zahl der Anwesenden stehen so in der zitierten Darstellung; eine zweite, unabhängige Quelle dafür liegt nicht vor.